Mehr Chancen für danach

Jugendberufshilfe kooperiert mit der Freien Schule Spatz.

Der 15-jährige Spatzschüler Max schaut genau zu, wie Hans-Joachim Ramp von der Geschäftsleitung der Jugendberufshilfe (links) und Sebastian Streck, Geschäftsführer der freien Schule, den Kooperationsvertrag unterzeichnen. Foto: Gertrude Siefke

OFFENBURG (ges). Hauptschulabschluss – und dann? Um die Chancen für die Schüler der Freien Schule Spatz nach der 9. Klasse zu erhöhen, arbeitet die Jugendberufshilfe (JBH) mit der Schule für Erziehungshilfe zusammen und unterzeichnete am Donnerstag einen Kooperationsvertrag. Im Boot sitzt auch die Agentur für Arbeit, die sich mit 9000 Euro an den Personalkosten beteiligt: Acht Stunden pro Woche bietet Andreas Vollmer von der JBH Berufseinstiegsbegleitung an.

Vollmer ist Arbeitserzieher und kommt jeden Donnerstag in die reformpädagogische Einrichtung an der Prinz-Eugen-Straße, um die Schüler der 8. und 9. Klasse mit der Berufswelt vertrauter zu machen. Zwar machen die Schüler bereits ab der 7. Klasse im Frühjahr und im Herbst Praktika. Doch das Gros der Schüler wolle Automechaniker werden, weiß Schulleiterin Jutta Kraus. Zum einen sei daher wichtig, die Schüler mit der Vielfalt an beruflichen Möglichkeiten vertraut zu machen. Zum anderen gehe es grundsätzlich darum, eine Beziehung aufzubauen und mit "Engelsgeduld und Fingerspitzengefühl" die vorherrschende Verweigerungshaltung aufzubrechen. Der Spatz sei keine Förderschule: "Bei uns stehen nicht Lernprobleme im Vordergrund, sondern Verhaltensauffälligkeiten." Die Jugendlichen müssten lernen, ihr Leben in die Hand zu nehmen und Verantwortung zu übernehmen.

Wichtiger Baustein in diesem Entwicklungsprozess ist die berufliche Ausbildung: "Wer seine Lehre erfolgreich abgeschlossen hat, der hat es in der Regel geschafft", versichert Werner Noltenhans von der Arbeitsagentur. Daher unterstütze er das Kooperationsprojekt zwischen Spatz und JBH: "Wir wollen diesen Personenkreis für den Ausbildungsmarkt retten." Wobei Jutta Kraus auf die großen sozialen Kompetenzen ihrer Schüler hinweist; auch im handwerklichen Bereich seien die Jugendlichen so richtig fit und könnten locker aus fünf alten Fahrrädern ein neues basteln. Entscheidend sei, die Heranwachsenden ernst zu nehmen: "Jeder für sich hat viel Potenzial", betonte auch JBH-Geschäftsführer Hans-Joachim Ramp. Das Kooperationsprojekt Bora (Berufsorientierung Richtung Ausbildung) ist mit anderen Projekten vergleichbar, die von der JBH seit 1,5 Jahren an vier Schulen im Ortenaukreis umgesetzt werden: Im Klassenverbund und individuell geht es um vertiefte Berufsorientierung; geboten werden Betriebsbesichtigungen und die gemeinsame Suche nach Praktikumsplätzen.

Die Jugendlichen gehen zur Arbeitsagentur und erfahren von Alternativen nach dem Schulabschluss. "Wir nutzen unser ganzes Beziehungsnetz", sagte Ramp und verwies auf über 100 Betriebe, zu denen die Jugendberufshilfe Kontakte hält. Auch die Zusammenarbeit mit der Freien Schule Spatz begann bereits im vergangenen Jahr, damals noch ohne offiziellen Kooperationsvertrag. Erste Erfolge werden bereits sichtbar. Neben dem Kfz-Mechaniker machen Berufsbilder wie Papiertechniker und Gartenbauer die Runde bei den jungen Spatzen.